Fragen rund um die Lese-Rechtschreibtherapie

 

Was wird bei einer Lese-Rechtschreibtherapie gemacht? 

Am Anfang steht eine gründliche Förderdiagnostik, denn nur dann kann ein gezieltes Üben gelingen. Allgemeine Tipps und Ratschläge sind oft nutzlos, da jedes Kind andere Probleme hat.

Inhalte der Therapie sind

  • Übungen zur Steigerung der Lesefertigkeit: Leseverständnis, Schnelligkeit und Genauigkeit
  • Übungen zur Verbesserung der Rechtschreibung. Hier benutze ich eine individuell auf das Kind abgestimmte Kombination von in eigener Berufspraxis entwickeltem Material und verschiedenen wissenschaftlich erprobten Rechtschreibprogrammen: Reuter-Liehr, Marburger Rechtschreibtraining, Kieler Lese- und Rechtschreibaufbau u.a.

Ganz wichtig ist mir dabei, dass das Kind wieder Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten gewinnt, seine Schwäche versteht und Strategien erlernt, mit dieser Schwäche umzugehen.

Es werden nur Übungen ausgewählt, die das Kind bewältigen kann. Entscheidend dabei ist der Entwicklungsstand des Kindes und nicht der Schulstoff der Klasse.

Durch falsches, oft zu schwieriges  und wenig erfolgreiches Üben in der Schule und zu Hause, entsteht beim Kind oft eine Abneigung gegen alles, was mit Lesen oder Schreiben zu tun hat. Aus diesem Grund werden in die Therapie verhaltenstherapeutische und spielerische Elemente miteinbezogen, damit das Kind das Üben mit positiven Erlebnissen verknüpft.

Die Eltern werden von mir über die Lese-Rechtschreibschwäche ihres Kindes beraten und informiert, damit sie das Lernverhalten ihres Kindes besser verstehen und somit ein besseres Verständnis für die Probleme ihres Kindes gewinnen. Es werden Hilfen zur Hausaufgabensituation und zum Umgang mit Diktaten angeboten. Es soll eine Entlastung der Eltern erreicht werden. Auch im Umgang mit Schule und Lehrern bin ich gerne behilflich und suche, wenn möglich und erwünscht, auch den Austausch mit dem Lehrer.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Meine Therapie zielt ausschließlich auf typische Lese- und Rechtschreibschwächen. Es handelt sich nicht um „Nachhilfe“ im herkömmlichen Sinn einer Wiederholung von Schulstoff, da dieser meistens nicht zur Entwicklung des Kindes passt.

Zusätzlich biete ich Frühförderung im Vorschulbereich zur Vorbeugung einer Lese-Rechtschreibschwäche an: Inzwischen gibt es Testverfahren, mit deren Hilfe man eine zukünftige Lese-Rechtschreibschwäche häufig vorhersagen kann.

Durch gezielte Übungen im Vorschulalter kann man in vielen Fällen Probleme beim Erlernen des Lesens und Schreibens verhindern oder zumindest deutlich mildern.

 

Wer kann eine qualifizierte Lese-Rechtschreibtherapie anbieten?


Eine qualifizierte Ausbildung zum LRS-Therapeuten dauert Jahre und kann keinesfalls in kurzer Zeit erworben werden. In aller Regel baut sie auf einem pädagogischen, psychologischen oder medizinischen Hochschulstudium auf. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie hat Richtlinien für eine qualifizierte Ausbildung aufgestellt und einige Ausbildungsstätten zertifiziert, die eine solche Ausbildung anbieten und bietet auch eine Liste von Therapeuten mit einer solchen Ausbildung. Falls Sie eine(n) Therapeuten/in für Ihr Kind in Betracht ziehen, fragen Sie daher genau nach dem Ort und dem Umfang seiner bzw. ihrer LRS-bezogenen (nicht allgemein beruflichen) Ausbildung.

 

Was kann man von einer Therapie erwarten?

Auch wenn unseriöse Anbieter von LRS-Therapien ein baldiges Verschwinden der LRS versprechen, so muss man doch sagen, dass eine deutlich ausgeprägte Lese-Rechtschreibschwäche, deren Ursache eine andere Verarbeitung sprachlicher Reize ist, nach heutigem Wissensstand nicht „wegtherapierbar“ ist.

Eine gründliche LRS-Therapie dauert in den meisten Fällen wenigstens ein Jahr, manchmal auch weniger oder mehr – das hängt vom Kind und von der Zahl der Therapiestunden pro Woche ab. Durch die Therapie lässt sich in der Regel Folgendes erreichen:

  • Deutliche Reduzierung der persönlichen Rechtschreibfehler

    Allerdings muss hier erwähnt werden, dass diese Fehlerreduzierung nicht von heute auf morgen erfolgt, sondern Geduld braucht. Außerdem zeigt sich diese persönliche Fehlerreduzierung nicht unbedingt in besseren Diktatnoten (besonders bei stark ausgeprägter LRS). Der Grund hierfür liegt darin, dass beim Diktatschreiben davon ausgegangen wird, dass alle Kinder ungefähr den gleichen Entwicklungsstand bzgl. Lesen und Schreiben haben. Wir wissen aber, dass LRS-Schüler gerade in der Lese- und Rechtschreibentwicklung ein oder mehrere Jahre hinter ihren Klassenkameraden stehen können. Obwohl sich das LRS-Kind dann beim nächsten Diktat schon deutlich in seiner Rechtschreibung verbessert hat, bekommt es wieder eine schlechte Note – die Anforderungen, die in dem Diktat an das Kind gestellt wurden, waren immer noch zu hoch. Hier würde ich mir mehr Entgegenkommen seitens der Schule wünschen. Es wäre leicht möglich, wie es bereits manche Schulen vormachen, unterschiedlich schwierige Diktate schreiben zu lassen, um der unterschiedlichen Entwicklung der Kinder gerecht zu werden

  •  Deutliche Steigerung der Lesefertigkeit

Eine LRS-Therapie geht aber noch über die Vermittlung schulischer Fertigkeiten hinaus.

Während der Therapie werden mit dem Kind folgende Themen erarbeitet:

  • Häufigkeit der LRS: Viele Menschen haben eine LRS, auch viele berühmte und erfolgreiche.
  • LRS hat nichts mit der Intelligenz zu tun, es ist nicht Schlimmes und man kann etwas dagegen tun.
  • Zusammenhang von LRS und schulischen Leistungen

Vorhandene Ängste vor dem Schreiben und Lesen sollen abgebaut werden. Das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten im Schreiben und Lesen soll gestärkt werden.

Durch fehlendes Wissen über die Schwäche des Kindes kommt es in der Familie sehr oft zu folgender Situation:

Das Kind lernt das Schreiben und Lesen nicht so, wie es sich die Eltern erhofft haben. Deshalb wird mehr geübt, aber der erwünschte Erfolg stellt sich nicht ein. Als Folge davon wird noch mehr geübt, was auch nicht mehr bringt. Irgendwann glaubt das Kind, es sei einfach zu dumm, um das Lesen und Schreiben so zu lernen wie andere Kinder. Nicht selten entwickeln sich dabei psychische Begleitsymptome (starke  Ängste, Zurückgezogenheit, Schlafprobleme, Bauch- oder Kopfschmerzen, aggressives Verhalten, ...). Die Eltern fühlen sich überfordert, hilflos und unverstanden.

Der Familie aus diesem Teufelskreis herauszuhelfen, ist ebenfalls ein wichtiges Ziel der Therapie.

Es sollten möglichst alle Chancen genutzt werden, damit das Kind die Schullaufbahn einschlagen kann, die seinen persönlichen Fähigkeiten entspricht, unabhängig von seiner Lese-Rechtschreibschwäche.